Wüppels im Wangerland

Das Warfendorf Wüppels im Wangerland. Eine kleine Zeitreise:

In einer friesischen Landschaft, die von Warften geprägt ist, liegt wie ein Juwel das kleine Dorf Wüppels. Was eine Warft ist, beschrieb schon der römische Geschichtsschreiber Plinius (61-115 nach Christus), der sich bereits in antiker Zeit in der Gegend umgeschaut hat: „In großartiger Bewegung ergießt sich dort zweimal im Zeitraum eines jeden Tages und einer jeden Nacht das Meer über eine unendliche Fläche und offenbart einen ewigen Streit der Natur in einer Gegend, in der es zweifelhaft ist, ob sie zum Land oder Meer gehört. Dort bewohnt ein beklagenswertes Volk hohe Erdhügel, die mit den Händen nach dem Maß der höchsten Flut errichtet sind.“ Die Deiche kamen erst sehr viel später. Sie wurden von dem gegen 650 nach Christus aus der Niederlande „eingereisten“ germanischen Volksstamm der Friesen circa ab 900 nach Christus erbaut - und machten fortan das Leben am und mit dem Wasser entspannter. So verwundert es nicht, dass Ausgrabungen rund um Wüppels aus jüngster Zeit belegen, wie Hausbau und Siedlungstätigkeit in und um Wüppels ab dem 11. Jahrhundert verstärkt einsetzten. Vieles, was in alter Zeit zu einem richtigen Dorf dazugehörte, ist in Wüppels noch erhalten – das meiste in liebevoll restauriertem Zustand: Kirche und Schule, Dorfkrug und Küsterhaus, Pastorei – und sogar eine echte Burg.

Die ersten Häuptlinge kamen aus Friesland

In Wangerland gab es keinen Winnetou und auch nie einen Indianer; aber trotzdem schon sehr früh die ersten Häuptlinge. „Das Wort stammt aus dem Altfriesischen. Dort bezeichnete hauding zunächst eine führende Person in einem Prozess, oder einen Anführer in einem Fehde- oder Militärverband, dann ein führendes Mitglied des Adels. Ab 1358/59 ist er als bestimmter Titel friesischer Machthaber und Standesherren belegt. Im Laufe des 15. Jahrhunderts wurden die Häuptlinge zu einem klar umrissenen Stand. In dieser Bedeutung wurde Häuptling im Hochdeutschen bis um 1800 gebraucht.“


Häuptlingswappen in der Wüppelser Kirche
Häuptlingswappen in der Wüppelser Kirche
   

Urlaubsland Wangerland

Das schöne Dorf Wüppels gehört seit der Gebietsreform von 1972 zu der Gemeinde Wangerland. Diese hat ihren Namen nach dem alten friesischen Gau „Wanga“, der bereits zu Zeiten Karls des Großen (747-814) erwähnt wurde, als dieser Willhardus zum Bischoff in dem Gau machte. Siedlungsfunde deuten aber auf kleinere Ansiedlungen aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. hin.
Heute ist Wangerland Bauern- und mehr denn je Urlaubsland und die zweitgrößte touristische Destination an der südlichen Nordsee in Niedersachsen. Auf beachtlichen 175 qkm können sich Erholung suchende Familien, Pferdefreunde und Wassersportler nach Herzenslust in weitestgehend unberührter Natur tummeln.
Es zieht viele „ ans Knie nördlich von Wilhelmshaven“. Und manch einen zieht es auch zur Scholle, denn die wird im Watt der Badeorte Schillig und Hooksiel einmal im Jahr von den besten Köchen unter freiem Himmel zubereitet. Tische und Bänke stehen bereit, bis die Flut kommt. Watt will man mehr?


Wüppels und Umgebung
Wüppels und Umgebung

Wangerland Schollenbraten im Watt
Schollenbraten im Watt
   

Land: Niedersachsen. Landkreis: Friesland.
Gemeinde: Wangerland. Dorf: Wüppels.

Hier oben auf der Warft in Friesland, 2 km von der Nordseeküste und dem Küstenbadeort Hooksiel entfernt, ist die Welt noch in Ordnung. “Gemeindemittelpunkt“ ist das auf einer nord-südlich verlaufenden Langwarft verlaufende Wüppseler Kirchdorf. Dieser historische Ortskern misst etwas 300 mal 90 m. Um das Kirchdorf herum liegen verstreute Siedlungsplätze, die zum Teil ebenfalls auf Warfen errichtet wurden.
Ursprünglich lag Wüppels in der Crildumer Bucht, die weit ins Wangerland einschnitt. Erst später wurde durch Eindeichungsmaßnahmen die Bucht trockengelegt. Der Wasserlauf Crildumer Tief und der Ort Crildumersiel erinnern bis heute an die alten Zeiten.


Crildumer Tief
Crildumer Tief
   

Eine Kirche, in der Häuptlinge begraben liegen

Die evangelisch-lutherische Kirche von Wüppels mit dem einschiffig, flach gedeckten Langhaus aus dem 13. Jahrhundert und ihrem freistehenden Glockenturm aus dem 17. Jahrhundert stehen auf einer eigenen Warf im Westen der Langwarf von Wüppels.


Kirche von Wüppels (rechts: Glockenturm, links: Kirche)
Kirche von Wüppels (rechts: Glockenturm, links: Kirche)
Kirche von Wüppels: Langhaus
Langhaus
Kirche von Wüppels: Häuptlingsgräber
Häuptlingsgräber
   

Besonderes Augenmerk verdienen die vielen Steinplatten im Fußboden der Kirche. Es handelt sich dabei um die reich verzierten Grabplatten der alten Häuptlingsfamilie der Burg Fischhausen. Die älteste Platte ist die von Matthis von Fischhausen. Auf seiner Grabplatte steht in plattdeutsch der Spruch aus Hiob 19: „Ick weth, dat min Erlöser levet...“ (hochdeutsch: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt). Auf allen Grabplatten finden sich die Wappen der feinen Fischhausener: Adler, Doppeladler und Schwan.


Kirche von Wüppels: Grabplatte Teite von Fischhausen
Grabplatte Teite von Fischhausen

Kirche von Wüppels: Grabplatten im Mittelgang
Grabplatten im Mittelgang

Kirche von Wüppels: Relief Doppeladler
Relief Doppeladler
   

Sehenswert ist auch die Kanzel mit Moses als Kanzelträger und der kunstvolle Taufstein (aus Holz!), die von bäuerlicher Handwerkskunst zeugen.


Kirche von Wüppels: Taufstein
Taufstein

Kirche von Wüppels: Kanzel mit MosesKanzel mit Moses

Kirche von Wüppels: AltarAltar
   

Hier läuten Tradition und Gegenwart gemeinsam

Der Glockenturm mit seinen beiden Glocken aus den Jahren 1657 und 1962 steht nach friesischer Art neben der Kirche. An der Außenseite des Glockenturms hängt bis heute das Halseisen. Es wurde früher dem um den Hals geschlossen, der Diebstahl oder Ehebruch beging - oder den Gottesdienst zu oft versäumte.


Kirche von Wüppels: Glockenturm
Glockenturm

Kirche von Wüppels: Halseisen am Glockenturm
Halseisen am Glockenturm

Die alte Schule ist in Pension gegangen

Seit anno 1614 gehen in Wüppels die Kinder zum Unterricht, bis 1965 in der alten Wüppelser Schule. Der Backsteinbau ist heute eine beliebte Pension (Ferienhaus Windlicht)– und wenig erinnert an die 33 Lehrer, die hier im Laufe der Jahrhundert den Einklassenbetrieb aufrechterhalten haben. Dafür gibt es umso mehr Anekdoten. Die Kirchengemeinde war es, welche die Schule bauen und unterhalten ließ. Der Lohn: 200 Gemeinthaler und eine Kuh, die zur Schulstelle dazugehörte. Starb der alte Lehrer, so hatten seine Erben auf jeden Fall dafür sorgen, dass die Kuh noch im Stall stand, wenn der neue Lehrer Quartier bezog. Deshalb nannte man die Kuh auch die eiserne Kuh. Übrigens: Lehrer wurde man noch im 19. Jahrhundert manchmal ganz einfach. Wenn ein Junge Lust hatte, Schullehrer zu werden, ging er bei seinem Lehrer in die Lehre.


Wüppels: Ehemalige Dorfschule
Ehemalige Dorfschule

   

Ei wie schön, die Pastorei

Die alte Pastorei gleich neben der Kirche ist heute ein vorbildlich restauriertes Privatanwesen. Mit einer Geschichte die weit vor dem Jahr 1679/80 beginnt. Denn da wurde sie „neu“ aufgebaut, nachdem sie nach einem Blitzschlag „gänzlich abgebrannt“ (Eintragung im Wüppseler Gedenkbuch) war.


Wüppels: Pastorei Seitenansicht
Pastorei Seitenansicht

Wüppels: Dorfbrunnen
Dorfbrunnen

Wüppels: Pastorei
Pastorei

Wüppels: Wappen der Grafen zu Oldenburg und Delmenhorst
Wappen der Grafen zu Oldenburg und Delmenhorst
   

Burg Fischhausen,
die Spukburg für alle, die sich trauen

In der unmittelbaren Umgebung von Wüppels liegt in einem ausgedehnten Park die stolze Burg Fischhausen. An der Turmtür prangt das Fischhausener Wappen mit der Jahreszahl 1578. Das Jahr, in dem die Burg vom Bauherren Boing von Waddewarden erbaut wurde. Später ging es dann in den Besitz der Häuptlinge von Vischhausen über. Obwohl es hier mitunter spuken soll, ist die Burg bis auf den heutigen Tag bewohnt. Und wird des schönen Rahmens wegen gerne zu standesamtlichen Trauungen genutzt.


Wüppels: Burg Fischausen
Burg Fischausen

Wüppels: Zugbrücke
Zugbrücke

Wüppels: Allee zur Burg
Allee zur Burg

Wüppels: Burgturm
Burgturm
   

Mit der Lizenz zum Brennen: die St. Jooster Mühle

Die St. Jooster Mühle gehört zum alten Kirchspiel Wüppels. Seit 1721 in Betrieb brannte sie zum ersten Mal 1849 ab – und ein weiteres Mal 1911. „Der damalige Besitzer erwarb darauf in Holland eine Mühle mit dem Namen „De oude Held“ (übersetzt: der alte Held) und ließ das gesamte Holz- und Balkenwerk nach Wüppels transportieren. Am 28 September 1956 brannte auch die importierte Mühle aus Holland – und wurde im darauffolgenden Jahr durch einen Backsteinbau ersetzt und als Motormühle betrieben. Heute dient die Jooster Mühle ausschließlich als Wohnhaus.

   
Wüppels Skyline
Wüppels Skyline
   

Quellen

  • Erhard Ahlrichs u.a.: Wüppels Friesische Idylle im Wangerland, Oldenburg : Isensee, 1994
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler / Bremen Niedersachsen, München, 1992
  • Bilder: Ralf Finkemeyer
  • Bild "Schollenbraten im Watt": Interessengemeinschaft Die Seesterne www.die-seesterne.de




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